Spulen

Tesla-Spulen-Rechner: Spulen, Topload, Kopplung, Abstimmung

Von der Sekundärspule bis zur Kondensatorbank: Das Tool rechnet Induktivität, Eigenkapazität und Resonanz, die Kopplung zur Primärspule und die passende Abstimmung. Die Bauarten werden mit ihren Unterschieden und in der Szene bewährten Bauteilen verglichen.

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Abkürzungen und Zeichen auf dieser Seite (21)
SGTC
Spark Gap Tesla Coil: Tesla-Spule mit Funkenstrecke als Schalter.
SSTC
Solid State Tesla Coil: Tesla-Spule mit Halbleitern (MOSFET oder IGBT) statt Funkenstrecke.
DRSSTC
Dual Resonant Solid State Tesla Coil: SSTC mit zusätzlich abgestimmtem Primärkreis.
QCW
Quasi Continuous Wave: DRSSTC mit langen, ansteigenden Pulsen für gerade Funken.
VTTC
Vacuum Tube Tesla Coil: Tesla-Spule mit Senderöhre als Oszillator.
NST
Neon Sign Transformer: Hochspannungstrafo für Leuchtröhren, strombegrenzt, z. B. 10 kV / 30 mA.
MMC
Multi Mini Capacitor: Kondensatorbank aus vielen gleichen Folienkondensatoren in Reihe und parallel.
LTR
Larger Than Resonant: Primärkondensator größer als die resonante Kapazität des Trafos, meist etwa das 1,5-Fache.
OCD
Over Current Detection: Überstromabschaltung im Treiber, schützt die Halbleiter.
GDT
Gate Drive Transformer: kleiner Übertrager, der die Gates der Transistoren getrennt ansteuert.
IGBT
Insulated Gate Bipolar Transistor: Leistungstransistor für hohe Spannungen und Ströme.
MOSFET
Metal-Oxide-Semiconductor Field-Effect Transistor: Feldeffekttransistor, wird über die Spannung am Gate geschaltet.
MIDI
Musical Instrument Digital Interface: Steuerdaten für Musik; ein MIDI-Unterbrecher lässt die Funken Töne spielen.
UD2
Universal Driver 2 von Steve Ward: verbreitete Treiberplatine für DRSSTC.
HF
Hochfrequenz: Wechselströme und Felder ab etwa einigen 10 kHz; hier meist 50 kHz bis einige MHz.
k
Kopplungsfaktor zwischen zwei Spulen, 0 bis 1: welcher Anteil des Magnetfelds beide Spulen durchsetzt.
Q
Güte eines Schwingkreises: 2π f L ÷ R. Hoch = geringe Verluste, schmale Resonanz.
Lp, Ls
Induktivität der Primärspule (p) und der Sekundärspule (s).
Cp
Kapazität im Primärkreis (Primärkondensator bzw. MMC).
λ/4
Viertel der Wellenlänge λ = c ÷ f (c = Lichtgeschwindigkeit). Eine Sekundärspule schwingt ähnlich wie ein Viertelwellen-Strahler.
Entladung (Bang)
Ein Zünden der Funkenstrecke; die Energie pro Entladung ist ½ C U².
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1. Bauart

Die fünf verbreiteten Bauarten unterscheiden sich im Schalter, in der Abstimmung und in der Art der Funken. Auswahl oben, Vergleich in der Tabelle.

Klassische Bauart mit Funkenstrecke: Ein Hochspannungstrafo lädt den Kondensator, die Funkenstrecke entlädt ihn schlagartig in die Primärspule. Primär- und Sekundärkreis sind auf dieselbe Frequenz abgestimmt, die Energie pendelt hinüber; reißt der Funke ab, bleibt sie in der Sekundärspule.

In der Szene bewährte Bauteile

Neonleuchten-Trafo (NST) mit Schutzfunkenstrecke und Netzfilter; MMC aus Folien-Impulskondensatoren (oft CDE 942C, 0,15 µF / 2 kV); Primärspule aus Kupferrohr; statische Mehrfach- oder rotierende Funkenstrecke; Sekundärspule aus Lackdraht auf Kunststoffrohr, Schlankheit 4–6 : 1; Torus aus Alu-Flexrohr; eigene HF-Erde.

NST230 VSGCL1L2TorusHF-Erdek
SGTC: NST lädt C, die Funkenstrecke SG schließt den Kreis C–L1; L2 mit Torus, Fuß an der HF-Erde. Schutzfunkenstrecke und Netzfilter am NST nicht gezeigt.
SGTCSSTCDRSSTCQCWVTTC
SchalterFunkenstrecke (statisch oder rotierend)MOSFET- oder IGBT-BrückeIGBT-BrückeBrücke + Buck-WandlerSenderöhre (Triode)
AbstimmungPrimär und Sekundärnur SekundärPrimär und SekundärPrimär und SekundärPrimär (Tank) und Sekundär
Kopplung k0,1–0,2fester als beim SGTCähnlich SGTC, etwas festerüber 0,4mittel
Frequenz50–400 kHz100 kHz–1 MHzmeist 40–150 kHzmeist über 400 kHzeinige 100 kHz
Funkenlaut, verzweigt; Richtwert nach FreauDauerstrich oder gepulst, kürzersehr lang, per MIDI spielbargerade „Schwerter“leise Flammen, Dauerstrich
Vorteileeinfach, robuste Bauteile, lange Funkenohne Funkenstrecke, mit Unterbrecher musikalischlängste Funken im Hobbybereich, spielbareindrucksvolle gerade Funkenleise, Dauerstrich möglich
Nachteilesehr laut, Ozon, Funkstörungen, Funkenstrecke verschleißtHalbleiter empfindlich, Funken kürzer als beim DRSSTCaufwendig, hohe Ströme, Fehler zerstören IGBTsanspruchsvollste Bauart, hohe Belastung der Halbleiterhohe Anodenspannung, Röhren selten und teuer, Wärme

2. Sekundärspule und Topload

Maße der Sekundärspule und des Toploads. Die Zeichnung rechts ist maßstäblich.

mm
mm
mm
mm
mm
mm
Windungen1000
Schlankheit (Länge : Durchmesser)4,55 : 1
Induktivität (Lundin)22 mH (Wheeler 21,9 mH)
Eigenkapazität (Medhurst)8 pF
Topload-Kapazität21,7 pF
Resonanz ohne Topload379 kHz
Resonanz mit Topload197 kHz
Drahtlänge347 m (0,913 × λ/4)
Widerstand DC / bei Resonanz34,4 Ω / 35,8 Ω
Güte (theoretisch)761
U max0HF-Erde
Maßstäblich. Animation: Spannung auf der Sekundärspule als Viertelwelle (unten 0, oben maximal).

3. Primärspule, Kopplung und Abstimmung

Flache Spirale (0°), Konus (z. B. 20–30°) oder Helix (90°). Die Kopplung wird Windung für Windung aus der Gegeninduktivität gerechnet.

mm
mm
mm
°
mm
nF
Induktivität Primär (Wheeler)20,1 µH
Außen-Ø · Höhe · LeiterØ 33 cm · 3,47 cm · 6,16 m Leiter
Kopplungsfaktor k0,156
Nötige Primärkapazität32,4 nF
Energie pendelt zwischen Primär und Sekundär
0100 %Übergabe nach 16,2 µs0 µs16,2 µs32,4 µs48,6 µs

3.2 Schwingungen bis zur ersten vollständigen Übergabe nach 16,2 µs. Festere Kopplung = schnellere Übergabe, aber die Funkenstrecke muss dann schneller löschen.

4. Speisung und Kondensatorbank

Für Funkenstrecken-Spulen: Neonleuchten-Trafo (NST), passende Kapazität und MMC aus Einzelkondensatoren.

kV
mA
Hz
W
nF
V
×
Resonante Kapazität (NST)9,55 nF
LTR-Kapazität (statische Funkenstrecke)14,3 nF
Energie pro Entladung1,43 J · bei 14,1 kV Spitze
MMC-Aufbau15 in Reihe × 1 parallel = 15 Stück, 10 nF, 30 kV
Funkenlänge (Richtwert nach Freau)≈ 74,8 cm

Formel

Sekundär: L = µ0 N² A K ÷ l (Nagaoka-Koeffizient K nach Lundin), Vergleich Wheeler L = r² N² ÷ (9 r + 10 l). Eigenkapazität nach Medhurst C = 0,29 l + 0,41 r + 1,94 √(r³ ÷ l) (Zoll, pF). Torus C = 2,8 (1,2781 − d ÷ D) √(π (D − d) d ÷ 4) (Zoll, pF), Kugel 4πε0 r. f = 1 ÷ (2π √(L C)). Primär nach Wheeler: Spirale r² N² ÷ (8 r + 11 w), Konus √((L_Helix sin θ)² + (L_Spirale cos θ)²). Kopplung k = M ÷ √(Lp Ls), M aus der Gegeninduktivität koaxialer Ringe (elliptische Integrale). NST: C_res = I ÷ (2π f U), LTR ≈ 1,5 C_res. Funke nach Freau ≈ 1,7 √P Zoll.

Beispiel

Rohr 110 mm, 50 cm Wicklung mit 0,5-mm-Lackdraht: 1000 Windungen, 22 mH, ohne Topload 379 kHz. Mit Torus 120 × 500 mm 197 kHz. Primärspule 8 Windungen 6-mm-Rohr, Innendurchmesser 160 mm, 20° Konus: 20 µH, k ≈ 0,16, zur Abstimmung 32 nF. Ein NST 10 kV / 30 mA an 50 Hz hat 9,5 nF resonante Kapazität, LTR etwa 14 nF.

Hinweise

  • Alle Formeln sind Näherungen für frei stehende Spulen. Wände, Boden, Primärspule und Funken verschieben die Resonanz; endgültig wird mit dem Abgriff an der Primärspule abgestimmt.
  • Die Torus-Formel ist empirisch (±10–20 %). Für genaue Werte die Frequenz messen: Signalgenerator an die Spule, Maximum mit dem Oszilloskop oder einer Antenne suchen.
  • Die Güte ist theoretisch (Kupfer und Skin-Effekt). Gemessen liegt sie wegen Spulenkörper, Lack und Umgebung meist deutlich niedriger.
  • Kopplung: SGTC meist 0,1–0,2. Zu fest koppeln führt zu Überschlägen an der Sekundärspule und zu schlechtem Löschen der Funkenstrecke.
  • Lebensgefahr: Netzspannung, Hochspannungstrafo und geladene Kondensatoren töten. Kondensatoren mit Entladewiderständen, vor jedem Anfassen kurzschließen. HF-Funken verbrennen, stören Funk und Elektronik; nur mit eigener HF-Erde und fern von Herzschrittmachern und Geräten betreiben.