Motoren und Generatoren

BLDC-Motor-Rechner: Wicklung, Kv und Resonanz

Von der Nut/Pol-Kombination bis zur Drehzahl: Das Tool zeigt das Wickelschema als Animation, prüft, ob die Wicklung ausgewogen ist, und schätzt aus Windungen, Draht und Magneten Kv, Drehmoment und Widerstand. Dazu die Frequenzen, bei denen Resonanzen auftreten können.

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1. Wicklung

Nuten (= Zähne mit Spule) und Magnete eingeben. Gerechnet wird eine Zahnspulenwicklung mit drei Phasen, wie bei fast allen Außenläufern und vielen Windrad-Generatoren.

Wicklung
Wickelschema
AabBCcaABbcC
AabBCcaABbcC
Wickelfaktor
0,933
kp 0,966 · kd 0,966
Rastungen/Umdrehung
84
kgV(12, 14)
Teilmotoren
1
q = 0,286 · 4 Spulen je Phase
Radialkräfte
ausgeglichen
NSNSNSNSNSNSNSAabBCcaABbcC12N14PSchritt 1: A+ B−
Gegenspannung (EMK) und Kommutierung
Schritt 1A+ B−0°Schritt 2A+ C−60°Schritt 3B+ C−120°Schritt 4B+ A−180°Schritt 5C+ A−240°Schritt 6C+ B−300°360°A+−B+−C+−
30° · A +1.00 · B -1.00 · C 0.00

So dreht der Motor: Der Regler bestromt immer zwei Phasen (hell), die dritte ist offen (blass). Alle 60° elektrisch schaltet er weiter, sechs Schritte ergeben eine elektrische Umdrehung. Mit 7 Polpaaren braucht der Rotor dafür nur 1/7 Umdrehung. Schematisch, Proportionen nicht maßstäblich.

Wickelanleitung

So wickelst du die Spulen: der Stator abgerollt, Zahn für Zahn. „Schritt für Schritt“ sagt bei jeder Spule, welcher Zahn, welche Richtung und wohin der Draht danach geht.

Blick von außen auf die Zahnspitzen
UVW123456789101112U1AaaU2AV1bBBV2bW1CccW2C
12 Spulen. Oben die Verbindungsdrähte jeder Phase, unten die Zahnnummern.
Pfeil = Wickelrichtung · Punkt = Anfang der Spule · Linien oben = Verbindungsdrähte von U, V und W · U1, U2 … = Anfang und Ende jedes Strangs (IEC 60034-8)
  • Vor dem Wickeln Zahnkanten entgraten und die Nuten isolieren (Nutisolierpapier oder Pulverbeschichtung), sonst scheuert der Drahtlack durch.
  • Alle Spulen mit gleich vielen Windungen wickeln, eng und in Lagen, ohne zu kreuzen.
  • Alle Verbindungsdrähte auf derselben Stirnseite führen und dort festlegen (Faden, Lack oder Kleber).
  • Nach jeder Phase den Widerstand von Anfang zu Ende messen. Die drei Stränge müssen gleich sein.
  • Zum Schluss die Isolation prüfen: kein Durchgang zwischen Wicklung und Statorblech.
  • Beim ersten Lauf den Leerlaufstrom beobachten. Ist er deutlich höher als üblich, ist meist eine Spule falsch herum gewickelt.

Anschluss: Stern oder Dreieck

So werden die drei fertigen Stränge verbunden. Hervorgehoben ist die Schaltung, die oben in Abschnitt 3 gewählt ist.

Stern (Y) · gewählt
U1U2V1V2W1W2Sternpunkt
Stern (Y): Enden zusammen, Anfänge nach außen.

Die Enden U2, V2 und W2 miteinander verbinden und isolieren: Das ist der Sternpunkt, er wird nicht angeschlossen. Die Anfänge U1, V1 und W1 gehen an die drei Leitungen zum Regler. Die Reihenfolge ist egal; zwei Leitungen tauschen kehrt die Drehrichtung um.

Dreieck (Δ)
U1 · W2V1 · U2W1 · V2
Dreieck (Δ): jeder Anfang mit dem Ende des vorigen Strangs.

U1 mit W2, V1 mit U2 und W1 mit V2 verbinden, so wie die Brücken auf einem Motor-Klemmbrett nach IEC 60034-8. An jeden der drei Verbindungspunkte kommt eine Leitung zum Regler. Andere Zuordnungen (U1 mit V2 …) ergeben ebenfalls ein Dreieck; nur die Drehrichtung kann anders sein.

2. Gute Kombinationen

Ausgewogene Magnetzahlen für 12 Nuten mit Wickelfaktor ab 0,7, die besten zuerst. Bewährte Kombinationen haben einen Wickelfaktor ab 0,93 und ausgeglichene Radialkräfte.

KombinationWickelfaktorRastungen/UmdrehungRadialkräfteq
12N14P0,93384ausgeglichen0,286
12N10P0,93360ausgeglichen0,400
12N16P0,86648ausgeglichen0,250
12N8P0,86624ausgeglichen0,500

3. Motordaten aus Windungen und Magneten

Aus Wicklung und Abmessungen schätzt das Tool Kv, Drehmomentkonstante und Widerstand. Gut für die Planung vor dem Wickeln und zum Vergleichen von Varianten.

Spulen
Stern (Y)
mm
mm
Magnete und Luftspalt
mm
mm
T
Betrieb
V
A
Kv
304
U/min pro Volt
Kt
31,4
mN·m/A
Widerstand zwischen zwei Anschlüssen
210 mΩ
je Strang 105 mΩ · 20 °C
Windungen je Phase in Reihe
40
Kupfer etwa 25,3 g
Leerlaufdrehzahl an 12 V3.653 U/min
Drehmoment bei 3 A0,0941 N·m
Stromdichte im Draht7,64 A/mm²
Kupferverluste bei 3 A2,84 W
Grundwelle der Luftspaltinduktion B₁0,867 T

Abschätzung, typisch ±20 %. Streuung, Sättigung und Magnetform hängen vom Aufbau ab. Das genaue Kv misst du am fertigen Motor (siehe Hinweise).

4. Frequenzen und Resonanz

Bei welcher Drehzahl trifft welche Frequenz auf eine Eigenfrequenz? Die Werte gelten bei der Drehzahl aus Abschnitt 3.

µH
nF
Hz
bei 3.653 U/min
Drehfrequenz (mechanisch)60,9 Hz
Elektrische Frequenz426 Hz
Kommutierungen pro Sekunde2,56 kHz
Rastfrequenz5,11 kHz

Messen und anschließen: Spule, Kondensator, Kv

Für alle Messungen ist der Motor vom Regler getrennt. „Zwei Motoranschlüsse“ heißt: zwei der drei Drähte, z. B. U1 und V1; der dritte bleibt frei.

Reihenschwingkreis messen
G ~RLCVzwei Motoranschlüsse
G = Funktionsgenerator, R = Messwiderstand, L = Motor zwischen zwei Anschlüssen, C = Kondensator, V = Oszilloskop.

Generator (Sinus, 1–5 V) → Widerstand R (z. B. 100 Ω) → Motoranschluss U1 → durch die Wicklung → Motoranschluss V1 → Kondensator → zurück zum Generator. Das Oszilloskop misst an R. Frequenz langsam durchfahren: Wo die Spannung an R am größten ist, liegt f₀.

Parallelschwingkreis messen
G ~RLCV
Kondensator direkt an die beiden Motoranschlüsse, gespeist über R.

Den Kondensator direkt an zwei Motoranschlüsse (z. B. U1 und V1) löten. Diesen Schwingkreis über R (z. B. 1 kΩ) an den Generator. Das Oszilloskop misst an den beiden Motoranschlüssen: Bei f₀ ist die Spannung dort am größten. Ohne Kondensator findest du so die Eigenresonanz der Wicklung.

Kv messen
M3~U1V1W1Vvon außen drehenSpitzenspannung
Motor von außen drehen, Spannung zwischen zwei Anschlüssen messen.

Welle mit Bohrmaschine oder Akkuschrauber gleichmäßig drehen. Das Oszilloskop zwischen zwei Anschlüssen zeigt die Spitzenspannung und die Frequenz f. Drehzahl = 60 × f ÷ Polpaare (oder mit Drehzahlmesser). Kv = Drehzahl ÷ Spitzenspannung. Ein Multimeter zeigt den Effektivwert: dann Kv = Drehzahl ÷ (Effektivwert × 1,41).

Widerstand und Wicklung prüfen
M3~U1V1W1ΩWiderstand
Zwischen allen drei Paaren messen: U–V, V–W, W–U.

Widerstand zwischen allen drei Paaren messen; die Werte müssen gleich sein, sonst hat eine Spule einen Windungsschluss oder eine Lötstelle ist schlecht. Bei Werten unter 1 Ω erst die Messleitungen zusammenhalten und diesen Wert abziehen, oder genauer: 1 A einspeisen und die Spannung direkt an den Anschlüssen messen (Vierleitermessung).

So findest du die Resonanz

  1. Elektrisch mit Kondensator: Induktivität L zwischen zwei Anschlüssen messen, Kondensator wählen. f₀ = 1 ÷ (2π √(L·C)) steht oben, ebenso die Drehzahl, bei der die elektrische Frequenz f₀ erreicht.
  2. Mit Messung bestätigen (Schaltbilder oben): Im Reihenschwingkreis ist die Spannung am Widerstand R bei f₀ am größten, im Parallelschwingkreis die Spannung am Schwingkreis selbst. Frequenz am Generator langsam durchfahren und das Maximum suchen.
  3. Eigenresonanz der Spule: Auch ohne Kondensator schwingt jede Wicklung mit ihrer eigenen Kapazität, meist im Bereich 100 kHz bis einige MHz. Gleich messen wie im Parallelschwingkreis, nur ohne Kondensator; diese Frequenz begrenzt, wie schnell man schalten sollte.
  4. Mechanisch: Rastfrequenz und Drehfrequenz können Gehäuse, Halter oder Mast anregen. Eigenfrequenz durch Anklopfen und ein Mikrofon (Spektrum-App) messen, oben eintragen und die angezeigte Drehzahl meiden.
  5. Was die Resonanz verschiebt: mehr Windungen erhöhen L (etwa mit dem Quadrat), mehr Kapazität senkt f₀, mehr Polpaare erhöhen die elektrische Frequenz bei gleicher Drehzahl, ein steiferer Halter erhöht die mechanische Eigenfrequenz.

5. Als Generator

Für Windrad und Fahrraddynamo: offene Spannung bei der Drehzahl aus Abschnitt 3, ohne Last.

bei 3.653 U/min
Spitzenspannung zwischen zwei Anschlüssen12 V
Effektivwert8,49 V
Gleichspannung nach Brückengleichrichter10,1 V

6. Umwickeln

Gleicher Motor, andere Windungszahl oder Schaltung: so ändert sich Kv. Gilt bei gleicher Kupferfüllung der Nuten.

Stern (Y)
Stern (Y)
833 U/min pro Volt
Widerstand ändert sich um den Faktor 1,44 (gleiche Kupferfüllung).

Formel

Nutenstern: Spule k hat den Winkel θk = k · p · 360° ÷ N. Wickelfaktor kw = kp · kd mit kp = sin(p · 180° ÷ N). Rasten: kgV(N, 2p). Gegenspannung je Strang: Ke = N_Strang · kw · B₁ · D · L mit B₁ = 4/π · B · sin(α · 90°); Stern: Ke(Leiter) = √3 · Ke. Kv = 60 ÷ (2π · Ke(Leiter)), Kt ≈ 60 ÷ (2π · Kv). f_el = U/min ÷ 60 · p. R = ρ · l ÷ A. LC: f₀ = 1 ÷ (2π √(L · C)).

Beispiel

12 Nuten, 14 Magnete, zweischichtig: Schema AabBCcaABbcC, Wickelfaktor 0,933, 84 Rastungen pro Umdrehung. Mit 10 Windungen je Zahn im Stern, Ø 28 mm × 20 mm und 0,7 T ergibt das etwa 300 U/min pro Volt; zwei Drähte 0,5 mm parallel haben 0,105 Ω je Strang. An 12 V dreht der Motor leer etwa 3650 U/min, die elektrische Frequenz ist dann 426 Hz.

Hinweise

  • Gerechnet werden Zahnspulenwicklungen (jede Spule um einen Zahn, q ≤ 0,5). Verteilte Wicklungen großer Industriemotoren rechnet das Tool nicht.
  • Kv aus der Geometrie ist eine Abschätzung (etwa ±20 %). Genau messen: Motor mit der Bohrmaschine drehen, Drehzahl und Spitzenspannung zwischen zwei Anschlüssen messen. Kv = Drehzahl ÷ Spitzenspannung.
  • Der Widerstand gilt für 20 °C ohne Zuleitungen. Warmes Kupfer hat 0,39 % mehr Widerstand pro Grad.
  • Neodym-Magnete verlieren über ihrer Temperaturgrenze (bei N-Sorten oft 80 °C) dauerhaft Kraft. Beim Einbau klemmen sie Finger ein, Werkzeug fernhalten.
  • Schema, Animation und EMK-Kurve sind idealisiert (Trapez, Blockkommutierung). Feldorientierte Regelung (FOC) arbeitet mit Sinusströmen, die Kombination und der Wickelfaktor gelten aber genauso.
  • Ab 60 V Gleichspannung und bei drehenden Rotoren besteht Verletzungsgefahr. Generatoren erzeugen Spannung, sobald sie sich drehen, auch abgeklemmt.